Zum Sterben zu viel zum Leben zu wenig.

Einsam und doch Zweisam

Ich weiß klingt doof, ist aber so. Wie bei jeder Sucht führte bei mir die Magersucht zur sozialen Isolation. Obwohl ich einen 40 Stunden Job hatte, jeden Tag mehrere Stunden im Fitnessstudio verbrachte und teilweise auch noch einen Nebenjob am Wochenende als Gästeführerin ausgeübt habe, hatte ich nicht einen Freund nach fünf Jahren, die ich in Hamburg wohnte.Wie das sein kann. Dass ist relative einfach. Sobald ich nicht durch meine Arbeit an den Schreibtisch gefesselt war galt die oberste Maxime: Bewegung maximieren, nicht sitzen und nicht ruhen.Das macht es unmöglich mit Leuten in Kontakt zu kommen. So bin ich zwar tausende von Kilometern in Hamburg rum gelaufen aber meistens allein.Als Belohnung durfte ich dann abends im Bett meine süße Belohnung genießen. Auch hier hat sich die Krankheit im Laufe der Jahre weiter entwickelt. Anfangs habe ich mich abends gewogen und dann entsprechend des " Bedarfes" gegessen. Heute ist es leider so, dass ich eine vordefinierte Menge an Dessert Cremes habe, die ich vollkommen ritualisiert zubereite und verzehre. Für diese Cremes versuche ich tagsüber alles zu tun, dass ich Sie mir erlauben kann. Mein innerer Antreiber ist dafür den ganzen Tag gegenwärtig. Oft beobachte ich mich so zu sagen selber dabei, wie ich meine Sucht auslebe und hasse mich dafür, aber ich habe in diesem Moment auch immer das Problem, dass ich das Gefühl habe es nicht anders tun zu können.Das ist eine schreckliche Situation und ein Teufelskreis, je länger ich alleine mit mir und mir bin desto stringenter wird der Tagesablauf. Das ganze fußt auf einem Belohnungssystem. Obwohl auch das nicht mehr stimmt eigentlich musisch tagsüber Disziplin zeigen und mich bewegen um Abends genießen zu können.Allerdings kommt es in letzter Zeit vermehrt zu Essanfällen tagsüber oder ich es verbotene Lebensmittel oder einfach normale Mengen tagsüber. Dass wäre ok wenn ich dann Nachts die Cremes reduzieren würde und ich weiß auch genau wie das zu geschehen hätte.Aber das kleine Kind in mir ist dann total enttäuscht und traurig. Jede Reduzierung ist ein Schlag ins Gesicht. So esse ich weiter die gewohnte Menge und teilweise aus trotz noch mehr , so dass ich fast brechen muss oder vor schmerzen kaum schlafen kann. Beim nächsten wiegen haße ich mich dann noch mehr. An diesen Tagen folgt dann meistens die Hölle. Das bedeutet fressen fressen fressen bis zum Erbrechen. An solchen Stangen geht der innere Kampf in den Showdown. Ich merke es und versuche es mit einem geregelten Essverhalten zu stoppen. Also versuche ich normal zu essen. Das treibt meinen Vernichter erst richtig an. Mich kotz normal dann an, es ist unbefriedigend. Also versuche ich innerlich zu einem Kompromiss zu kommen und überlege was ich mir mal nettes, leckeres gönnen bzw. erlauben könnte. Da jede Abweichung von der täglichen Routine immer mehr Kalorien oder die Streichung einer lieben Sache bedeutet ist der Kompromiss eigentlich immer zum scheitern verurteilt. Das naive Kind in mir bettelt aber so lange bis ich es dann doch zu lasse. Schon beim ersten Bißen kommt dann der Vernichter richtig auf Touren von 0 auf 180 in zwei Sekunden. Dann geht es los schon beim Essen überlegt er sich ob ich die Sache Erbrechen kann, wenn nicht wird überlegt, was ich noch so hinterer schieben kann, was dann aber hoffentlich auch wieder raus kommt. Meist geht dann der Lauf durch alle Bäckereien los. Aber das wird jedes Mal der innere Ruf wach dass das Zeug sich kaum Erbrechen lässt, manchmal ist aber auch das schon egal. Alles was verboten ist wird rein gestopft. Teilweise, wenn es ganz schlimm wird fang ich dann an zwischen süß und salzig z.B. Pommes zu wechseln. Mit jedem Bißen haße ich mich, ich beobachte mich selber wie ich genau das tue was ich an mir verachte, ich sage mir innerlich " hör auf" , ich bette mich an " lass es gut sein" , ich versuche mir ins Bewußt sein zu rufen " das löst dein Problem nicht!!! Es macht es noch schlimmer!!! Alles egal ich bin wie ein ferngesteuerter Lemming der auf Vernichtung bzw. Selbstzerstörung ausgerichtet ist. Der " krönende Abschluss ist dann meist eine Packung Speiseeis ca 900ml und dann endlich geht es ab zum Klo, wenn es die Kräfte zulassen und ich versuche zu kotzen. Aber selbst wenn was raus kommt ist mir bewußt dass es nur Bruchteile sind und ich haße mich. Den Rest des Tages haße ich mich, bis abends, dann kommen die Cremes. Ich kann sie nicht weglassen ,weil da ja sonst nichts ist. Aber das wäre zumindest etwas wieder Gutmachen bzw Schadensminimierung , aber das Kind in mir fängt amüsant heulen. Also mache ich die Cremes sitze dann wieder einsam im Bett mit meinen Cremes und in ein und dem selben Moment haße ich mich und bin auch total traurig, denn eigentlich wünsche ich mir ja der mich in den Arm nimmt jm mit dem ich den inneren Hunger nach Liebe und Anerkennung befriedigen kann. Denn ich weiß genau das die Cremes mich wenn überhaupt nur kurzfristig befriedigen aber nie wirklich das Bedürfnis befriedigen können was dahinter steht.So sitze ich da mit dem kleinen Kind und dem Vernichter und bin doch vollkommen alleine und verloren. Es würde auch niemand registrieren, wenn ich in diesem Moment einfach sterben würde und dass lässt mich noch trauriger werden und der Sinnen morgen wieder aufzuwachen erschließt sich mir nicht. Ich schlafe über diesen Gedanken ein, in einer normalen Nacht wache ich mindestens einmal auf und schiebe noch mehr Creme hinterer, vollkommen automatisiert, ich wünsche mir aber nichts sehnlicheres als durchzuschlafen. Eigentlich wünsche ich mir sogar für immer zu schlafen, weil ich Angst habe vor dem nächsten Kampf morgen, den der Verlierer bin immer ich, egal wer das Spiel gewinnt.

1 Kommentar 17.7.17 00:51, kommentieren

Warum mach ich eigentlich weiter?

Ich bin jetzt 32 Jahre und seit rund 14 Jahren Essgestört. Seit dem lebe ich auch nicht mehr sondern existiere nur noch. aber für wen und warum?Ich habe mir immer eingeredet,dass ich dass für meine Eltern tue, die meinen Tod nicht verkraften würden. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass der Versuch schief gehen könnte und ich mit noch mehr Einschränkungen weiter vor mich hin vegetieren müsste. Und dann ist da noch immer ein Teil in mir der an das große Happy End meiner Geschichte glaubt. Und auch an dieser Stelle hasse ich meine unterschiedlichen Stimmen in mir. Es ist als ob man nur ausführendes,Orgarn eines vorgeschriebenen Drehbuches sei. Oft the ich mir dabei zu wie ich mir bewußt selber schade ich würde mich dan gerne packen und aufhalten, aber genau dann wird mein schädliche Verhalten noch stärker.Wie gesagt ich bin jetzt 32! geworden. Ich habe vor Jahren Kriterien definiert gehabt , wann ich dieses Alter nicht erreichen wollte und wenn ich nach diesen gehen würde,müsste ich mich auf der Stelle umbringen,weil,ich nicht eine einzige erfülle.Das schlimme ist, ich bin gefangen in mir mit mir mein größter Feind und Gegner bin ich. Und weil ich weiß dass ich nicht aus mir raus komme sehe ich auch keine Hoffnung. Und trotzdem mache ich weiter. Warum? Ich bin so in mir und meinen Zwengen gefangen, dass ich mit 32 so einsam und isoliert bin wie eine 90 Jährige die Ihr Haus nicht mehr verlassen kann und dass obwohl ich täglich zum Sport gehe und arbeite. Aber ich laufe nur neben der Gesellschaft her. Mich nehmen die Leute nur im Smalltalk wahr und wirkliches Interesse besteht nicht.Meine kranke Seite tut alles damit ich keine Beziehung zu anderen aufbauen kann und somit fruste ich ein einsames Dasein.Wenn ich in meiner Wohnung verunglücken würde könnte ich Wochen lang hier rumliegen und niemand würde sich wirklich sorgen machen, außer meine Eltern, wenn ich Sie nicht Anrufe. Dass ist so traurig aber ich komme da noch raus. Da kann mir auch keine Theraphie helfen, dass habe ich versucht, den auch die können mir keine Freunde schenken. Daher werden meine Zwänge immer schlimmer um keinen Platz mehr zu lassen Einsamkeit zu spüren. Aber ich bin mir dessen bewußt und haße mein Verhalten daher haße ich mein Leben und will es doch nicht dran geben.Wie kann man los lassen?

4 Kommentare 28.6.17 04:58, kommentieren